Gestern war er da, der Tag an dem wir die gerne verwendete aber noch nie war gemachte Drohung “Wenn Du jetzt nicht aufhörst, dann gehst du ohne Pocoyo anzuschauen ins Bett!!!” wargemacht haben. Und oh wunder oh wunder, nach dem das erste Wutgeschrei abgeklungen war, ging er wirklich ins Bett. Klaglos. Wir sagten ihm beim gute Nacht sagen noch, dass sein Verhalten nicht schön war. ” Ich weiß, Mama” seufzte er noch leise. “Aber wir haben dich trotzdem ganz arg lieb Schatz” und da konnte er auch schon wieder strahlen. Und er scheint es wirklich verstanden zu haben, denn als ich ein paar Minuten später an der offenen Zimmertür vorbei ging konnte ich hören wie er seinem heißgeliebtem Bär klarmachte, warum es für sie beide heute eben kein Pocoyo mehr gab. ” Bär, wenn man nicht lieb ist und nicht auf die Mama hört, dann muss man eben ohne coyo schlafen. Aber wenn wir wieder lieb sind, dann darf man coyo schauen. Morgen. Kuss Bär, komm kuscheln.” Und dann war er auch schon eigeschlafen. Ach ja… das Mama und Papa das Herz blutete braucht er ja nicht zu wissen
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Tag X
Vom Heben und Halten
“Mama, heb mal!” sagt das Schnubbel Kind und hält mir seinen Schnuller nebst Bär vor die Nase. Mir stockte kurzfristig der Atem. “Du meinst Mama, halt mal?!? ” erwidere ich und frage mich: Wo zum Teufel hat er denn diesen falschen Unsinn her?!? Von MIR nicht! Und das ist nur eine der Unsitten unseres Dialekts die ich bei unserem Sohn an und für sich nicht hören möchte.
Der Dialekt im Badischen Raum hat noch mehr Eigenarten an sich die mich persönlich wahnsinnig machen. Neben unsinnigen Wortkrationen wie z.B. Krumbiere (=Kartoffel) und Gickle (= kleine Tüte ) gibt es auch die Unsitte das gesamte Bein abwärts der Hüfte als Fieß (=Fuß) zu bezeichnen. Wuah, da schüttelt es mich!
Auch schön ist die Angewohnheit ein -sch anzuhängen wie keines hingehört, also z.B. isch, kannsch, kommsch, weisch etc. diese Liste ist beliebig fortzuführen. Ebenfalls einfach nur schrecklich!
Andere Dinge, für diese Region typisch hat wohl jeder der hier lebt und aufgewachsen ist irgendwie in seiner Sprache. Dazu gehört hier ganz speziell, dass wir für nicht badische Ohren wohl singen beim Reden und gerne mal die Wortendungen halb verschlucken. Auch wird gerne aus einem das ein des und ein ist wird auf ein is verkürzt.
Das jedoch sind Dinge mit denen kann ich leben, ich bin selber nicht frei davon. Alles andere möchte ich tunlichst vermeiden und bin sehr bestrebt das für das Schnubbel Kind der badener Dialekt wie auch für mich als Kind, eine Art “Fremdsprache” die nicht erlernenswert ist, darstellt. Auch in der KITA ist man bestrebt den Kindern korrektes Deutsch beizubringen und den Dialekt außen vor zu lassen. So weit so gut.
Also woher kommt dann diese heben/halten Verwechslung die ich gerade versuche dem Kind wieder auszutreiben?? Von uns definitiv nicht, das war eines der ersten Dinge die ich dem Schatz abgewöhnt habe
Und heute habe ich den / die Schuldigen ausfindig machen können, ha! Ich bringe das Schnubbel Kind in die KITA, er hat Hausschuhe an und wird von Erzieherin C. mit zum Frühstück genommen. Da höre ich es. “M. heb dich mal am Geländer fest beim Treppen runter laufen!” Die nächste Erzieherin zu einem anderen Kind ” J. heb mal die A. an der Hand”
AHHHHH, kein Wunder bekomme ich ihm das nicht abgewöhnt, es wimmelt den ganzen Tag nur von Menschen um ihn herum die nicht dazu in der Lage sind heben und halten in einem korrekten Kontext zu verwenden. Ich.könnt.kotzen! Aber was soll ich da dagegen machen? Ich kann ja mich ja schlecht wegen sowas bei der KITA Leitung beklagen, das wäre schon lächerlich. Also bleibt mir nur ihm es immer wieder und wieder und wieder richtig vorzusagen in der Hoffnung das er es irgendwann so verinnerlicht, dass ihn das ständig Falsche nicht mehr erreichen und er drüber hin weg hört.
Oder wie würde der Badener so schön sagen ” Des isch bloß a Phas, des hebt au net ewig an”
Mehr Kuss!!!
Wenn das Schnubbel Kind die zu- Bett- geh- Zeit künstlich verlängern will, wird seit neustem immer wieder und wieder ” Mama, Papa mehr Kuss haben!” gerufen.
Na ja, wer könnte denn da schon widerstehen
Kleiner Schlingel, weiß ganz genau, wie er uns um den Finger wickeln kann…
Die Farbe lila…
ist hier im Hause mehr als nur eine schlichte Farbe. Ich liebe diese Farbe und diese Vorliebe scheint auf meinen Sohn abzufärben…aber der Reihe nach.
Als das Schnubbel Kind anfing Farben zu lernen, war die erste die ihm sicher im Gedächnis blieb, na was nur? Richtig LILA. Voller inbrunst rief er stets freudig: Das is LILA!! Das der Papa über seine Vorliebe nicht ganz so begeistert ist, lassen wir hier mal ausßen vor
Doch seit ein paar Tagen hat diese Präferenz ganz neue Außmaße angenommen. Das Schnubbel Kind hegt eine starke Abneigung gegen Hausschuhe jeglicher Art. Kaum Angezogen wird die nächste Gelegenheit genutzt um sich derer wieder zu entledigen. Wenn es warm ist, ist mir das im Grunde auch relativ schnuppe, barfuß laufen ist ohne hin das gesündeste, aber bei geschätzten -10°C Außenthemperatur? Nein, das geht nicht. Also haben wir uns zumindest soweit geeinigt, dass er Socken tragen muss, wenigstens irgendwas an den Füßen. Aber wie sollte es auch sein, nach kürzester Zeit liegen auch die in irgendeiner Ecke und nackte Füße patschen auf dem Laminat. Jegliche Versuche ihn vom Gegenteil zu überzeugen sind kläglich gescheitert, bis ja bis vor zwei Tagen. Ich bot ihm an, er dürfe sich sie Socken die er tragen soll selber raussuchen. Also Sockenschublade geöffnet und Schnubbel Kind zum wühlen eingeladen. Er kam, kruschtelte und was fand er ganz hinten in der Schublade?? Richtig. Lila Socken. ( die waren zusammen mit grünen in einem Maxipak unserer Windeln und ich habe sie vor Monaten eben achtlos in die Schublade geschmissen ) ” Oh, lila Socken!” tönte es hellaufbegeistert. “M. des anziehen, M. des anziehen!!” ging es fordernd weiter. Also schnell abgewogen was hier im Moment mehr zählt, Kind mit warem Füßen oder eben mein Sohn mit LILA Socken rumlaufen zu lassen und einen Papa der natürlich ganz und gar nicht begeistert wäre? Na ja, die entscheidung fiel natürlich pro Socken aus und was soll ich sagen, das Schnubbel Kind trägt seitdem ganz brav Socken, zieht sie nicht aus und fordert sie morgens sogar ein. ” M. lila Socken anziehen!” Na was solls, hauptsache warm
Frust und der Umgang damit…
In meinem Schnippsel – Beitrag hatte ich dieses Thema bereits angeschnitten. Das Schnubbel Kind ist im Moment in einer Entwicklungsstufe, die ihm den Umgang mit Frustration nicht leicht macht. Er versucht seine Grenzen auszuloten und stößt erziehungsbedingt in letzter Zeit des öfteren auch auf diese. Es gibt einfach Dinge, die wir als Eltern nicht durchgehenlassen wollen oder auch können. Putzmittel sind kein Spielzeug, Sonnencreme auf dem Laminat finde ich persönlich nicht ganz so prickelnd und an vielbefahrenen Straßen wird eben an der Hand gelaufen. Das sind nur einige Beispiele. Eben solche Situationen rufen Interessenskonflikte hervor. Auf der einen Seite das Schnubbel Kind, das natürlich nicht versteht, weswegen Mama und Papa mit der unglaublich spannenden Glasreinigungsflasche “spielen” dürfen und er nicht. Auf der anderen Seite wir, die primär bestrebt sind, nicht alles zu verbieten, jedoch bei so speziellen Dingen wie eben Putzmittel auch keinerlei Ausnahme machen können. Wir versuchen also so gut wie möglich, zu erklären, wieso weshalb und warum dieses und jenes eben nicht geht.Einfach nur NEIN sagen ist für uns keine Option, denn wir sind uns sicher, dass er mit seinen 19 Monaten viel verstehen kann, wenn man es altersgerecht erklärt. Meistens klappt das auch ganz gut, außer eben bei solchen Dingen. Da ist das Frustrationslevel gleich null. Bereits der Beginn einer Erklärung und nicht die sofortige Befriedigung des Drangs das Objekt der Begierde ausgehändigt zu bekommen ruft Trotzanfälle deluxe hervor. Schreien, vorgetäuschtes Heulen, auf den Boden werfen, das volle Programm eben. So weit ja noch auszuhalten. Mal eben auf durchzug Schalten kan man ja als Eltern recht gut
Doch dann gipfelt der Auftritt in das, was uns eben so sehr belastet. Das Schnubbel Kind fängt an nach uns zu schlagen. Je nach dem was er erreichen kann, auf die Beine, die Arme oder auch voll ins Gesicht. Und so ein 19 Monate alter Knirps hat ganz schön Kraft. Gerade im Gesicht tut das richtig weh. Und dann steht man also da. Erstmal ratlos.
Wieso tut er das?
In einem Newsletter, denn ich aboniert habe, wird dieses Verhalten beschrieben. Ein Auszug…
Seien Sie nicht überrascht, wenn Ihr sonst so freundliches Kleinkind plötzlich anfängt, andere Leute zu schlagen. Viele Kinder in diesem Alter drücken ihre Gefühle über ihren Körper aus. Zum einen, weil sie so Ihre Aufmerksamkeit erlangen wollen, zum anderen aber auch, weil ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit immer noch begrenzt ist.
Soweit klar. Er kann sich nicht verbal verständlich machen, da ihm dazu noch die Möglichlkeiten fehlen. Also haut er. Andere Kinder Beißen oder Zwicken, unserer schlägt. Das Wissen, das er das nicht aus Bösartigkeit heraus macht oder weil er sich das irgendwo abgeschaut hat, hatte ich auch schon vorher.
Nächste Frage: Wie sollen wir damit umgehen?
Um diesem Verhalten Einhalt zu gebieten, geben Sie Ihrem Kind viel Aufmerksamkeit, wenn es sich Ihnen ohne Hauen mitteilt. Positive Belohnungen für ein gewünschtes Verhalten führen schneller zum Lernerfolg als negative Konsequenzen für schlechtes Verhalten.
Mhm. Also das ist überhaupt nicht hilfreich. Aufmerksamkeit bekommt der Schnubbel meines erachtens völlig ausreichend und natürlich zeigen wir unsere Freude, wenn er von sich aus Küsschen verteilen oder uns ihn den Arm nehmen will. Er legt dieses Verhalten ja auch nur an den Tag, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Einfach mal so aus Langeweile haut er nicht. Und das Verhalten einfach ignorieren halte ich persönlich auch nicht für richtig. Ich möchte ihm durchaus vermitteln, dass Schlagen keine Lösung ist um sich Auszudrücken. Ohne Kosequenz möchte ich das nicht stehen lassen. Die Liste an Ratschlägen die wir zu dem Thema gefunden oder erhalten haben ist umfangreich.
- Haut doch einfach mal zurück, wenn er merkt, dass es weh tut, wird er es schon sein lassen!
Bitte??? Was ist denn das für ein Quatsch! Ich möchte nicht dass mein Kind haut, deswegen haue ich es damit es das lässt. Gewalt mit Gegengewalt lösen. Prima Idee. Das kommt für uns gar nicht in Frage. Unser Erziehungskonzept lässt das nicht zu. Das ist dann die Fraktion, die Klappse als legitime Erziehungsmethode ansieht und mal eine hinten drauf hat noch niemand geschadet. Nein. Nicht bei uns. Ein Klapps ist einer zu viel.
- Versuchen die empathischen Fähigkeiten des Kindes zu wecken
Man soll versuchen, wenn das Kind gehauen hat, durch weinen und “aua, aua” zum Ausdruck zu bringen, dass einem das weh tut. Am besten so reagieren, wie das eigene Kind auf einen zukommt, wenn es sich weh getan hat. Dieses Verhalten soll den Tröster hervorbringen. Das Kind merkt, dass Mama oder Papa seine Hilfe benötigen. Im besten Fall schwenkt das Kind vom wütenden Schläger zum liebevollen Trostspender um. Wenn dies geschieht, den Trost annehmen und das Kind loben. Klingt erstmal gut, hat jedoch auch seine Schattenseiten. Zum einen wird diese Methode meist erst für etwas ältere Kinder empfohlen, zum anderen kann es passieren, dass das Kind hier ein Spiel sieht wo eigentlich keines ist. Ich haue Mama, Mama weint, ich tröste sie und werde gelobt. Lob fühlt sich gut an, also nochmal von vorne.
- Körperliche Grenzen aufzeigen
Es wird empfohlen, ein sehr aufgebrachtes Kind das überhaupt nicht mehr zugänglich ist, durch köperliche Nähe zu beruhigen. Wenn es wild um sich schlägt, die Arme sanft festhalten und das Kind an sich drücken. Ruhig sprechen und warten bis sich Entspannung einstellt. Dann nochmal kurz und knapp klar stellen, dass nicht gehauen wird, da das weh tut und unerwünscht ist.
- Eine Auszeit verordnen
Man kennt das ja von Sendungen wie der Super Nanny o.ä. Nennen kann man es wie man will, stille Treppe, stilles Zimmer…Der Gedanke ist der selbe. Das Kind soll spüren, dass sein Verhalten unangemessen und unerwünscht ist. Zum Beruhigen bekommt es eine Auszeit verordnet. Zu vor wird die nicht eingehaltene Regel, in diesem Fall “Es wird nicht gehauen” noch mal kurz und kanpp erklärt. Mit der Zeit wird das Kind verstehen, dass es so eben nicht geht. Eine Wenn – Dann Verküpfung wird entstehen und das Kind wird das unliebsame Verhalten einstellen.
- Die Phase aussitzen und darauf hoffen, dass wenn das Kind spricht alles besser wird
…(ohne worte)…
Tja. Da saßen wir also mit all diesen Ratschlägen. Ein Patetrezept ist keines davon, aber zumindest ein grober Anhaltspunkt was wir tun könnten. Es hat sich herausgestellt, dass für uns eine Mischung aus allem (außer der Geschichte mit dem zurückhauen!!!) am besten funktioniert. Es kommt nämlich auch auf die Intensität des Ausbruchs sowie den Betroffen an. Mama ist nicht Papa und umgekehrt. So haben wir für uns festgestellt, dass Papa besser einen Weinanfall vortäuschen kann als Mama. Mama besser damit klar kommt, eine Auszeit anzuordnen. Der Erfolg stellt sich langsam bei allen Methoden ein. Papa wird fleißig getröstet (verkraftet aber auch den ein oder anderen spielerischen Klapps um nochmal getröstet werden zu können), Mama kann die Anfälle, wenn sie nicht ganz so impulsiv sind oft unterbinden. Der Wenn – Dann – Zusammenhang klappt schon ganz gut. Und manchmal, wenn wir einfach keine Energie mehr haben, trösten auch wir uns mit dem Eltern-Mantra “es ist nur eine Phase,es ist nur eine Phase…” und hoffen darauf, dass er bald sprechen kann…

