Geburtsbericht

Es ist der 23.08.2011 um ca. 08.00 Uhr als wir langsam aufwachen. Ich habe die Nacht sehr gut geschlafen, was man von den vorangegangenen Nächten nicht sagen kann. Und das trotz der wilden Toberei vom Mäuschen im Bauch. Ich stehe also auf und gehe Richtung Toi.lette. Ich bemerke den Abgang des Schleimpropfes und werde das erste Mal etwas nervös. Das erste Anzeichen für eine baldige Geburt also. Ich laufe Richtung Küche und versuche mir nichts anmerken zu lassen, als ich merke wie mir etwas Flüssigkeit in die Unter.hose läuft. Unkontrollierbar. U.rin kann das eigentlich nicht sein, denke ich mir, ich war ja schließlich grad auf Toi.lette. Der Mann bemerkt meine Stimmung und als ich ihm mitteile was ich befürchte, nämlich eine offene Fruchtblase, wird er auch etwas nervös. Ich bitte ihn den Großen in die KITA zu fahren und sich dann um Ersatz auf Arbeit zu kümmern, denn ich möchte ihn gerne bei mir wissen, zumal uns beiden langsam klar wird, dass wir mit der offenen Blase demnächst das Krankenhaus ansteuern sollten. Die Stimmung ist ganz ruhig und routiniert, denn wir wollen den Großen nicht verunsichern. Ob er ein Brot für den Weg haben möchte, frage ich ihn, denn er hat noch nicht gefrühstückt und dienstags ist immer Ausflugstag in der KITA. Er würde also keine Zeit mehr haben, noch etwas zu essen. Ich schmiere also ein Brot und richte etwas zu trinken, während das Fruchtwasser immer weiter vor sich hin tröpfelt. Der Mann zieht den Großen an und dann geht’s auch schon los. Ich drücke meinen großen Jungen und bin mir zu diesem Zeitpunkt bereits sicher, dass er diese Tür das letzte Mal als Einzelkind verlässt und wahrscheinlich auch das letzte Mal für mehrere Tage von mir morgens verabschiedet werden wird. Mir steigen die Tränen in die Augen und damit er das nicht sieht mach ich schnell die Tür hinter ihnen zu. Der Mann verspricht sich zu beeilen. Als ich dann alleine bin, zieht es mich als erstes unter die Dusche, ich fühle mich verschwitzt von der Nacht und das laufende Fruchtwasser trägt auch nicht grad zu meinem Wohlbefinden bei. Ich dusche also und wasche meine Haare und versuche mich zu entspannen. Als ich fertig geduscht und angezogen bin, überbrücke ich die Wartezeit auf den Mann mit Twitter. Ich vermelde meine offene Fruchtblase und freue mich über die Anteilnahme und die Aufregung bei den Mädels. Zwischendurch versende ich noch ein paar SMS und telefoniere mit meiner Mutter. Sie wird den Großen von der KITA abholen, das ist also geregelt. Die Kliniktasche wird von mir noch mit den letzten Utensilien versehen, als der Mann auch schon wieder in der Tür steht. Er hat sich so beeilt, dass er völlig verschwitzt ist. Immerhin hat es an diesen Tag bereits zu dieser Uhrzeit 28 Grad. Ich schicke ihn also duschen. Es ist ca.11.00 Uhr als wir dann das Haus verlassen und Richtung Krankenhaus fahren.

Im Krankenhaus angekommen, nehmen wir den Fahrstuhl in die zweite Etage und laufen Richtung Kreissaal.  Dort angekommen klingeln wir und eine nette Hebamme öffnet uns die Tür. Ich sage dass ich allem Anschein nach einen Blasensprung habe. Ob ich auch schon Wehen hätte, möchte sie wissen. Ich verneine, denn außer gelegentlicher Kontraktionen die aber völlig schmerzfrei sind, spüre ich nichts. Ein CTG möchte sie trotzdem schreiben und sehen ob es dem Kind gut geht. Anschließend würde eine ärztliche Untersuchung folgen. Wir begleiten sie also in einen der vier Kreissäle. Dort lege ich mich auf Entbindungsbett und lausche den rhythmischen Herztönen meiner Tochter. Wehen kann auch das CTG nicht aufzeichnen. Nach einer halben Stunde werde ich befreit und wir dürfen noch im Wartebereich Platz nehmen. Ein Arzt käme gleich, versicherte man uns. Aus dem Gleich wurden zwei Stunden. Irgendwie war an diesem Vormittag die Hölle los, auf einmal alle Kreissäle belegt und ganz offensichtlich zu wenig Personal um alle gleichermaßen zügig zu betreuen. Mir ging das ganz gewaltig auf die Nerven. Dem Mann natürlich auch. Ich war schon drauf und dran gehen zu wollen, so genervt war ich von der Warterei. Als der Geduldsfaden kurz vorm Reißen war, kam endlich die Hebamme wieder, entschuldigte sich vielmals und brachte uns ins Untersuchungszimmer. Die Ärztin komme gleich, versicherte sie uns. Ich hoffte inständig für sie, dass das nicht wieder zwei Stunden warten bedeutete, aber dem war zum Glück nicht so. Fünf Minuten später kam eine sehr liebe Ärztin zur Tür herein, entschuldigte sich ebenfalls für die lange Wartezeit und teilte mit, dass heute zum Personalmangel extrem viele Geburten seien, darunter leider auch zwei Notfälle. Sie würde gerne einen Ultraschall machen und anschließend den Muttermund kontrollieren sowie den Fruchtwasserabgang genau feststellen. Der Ultraschall ergab, dass das Mäuschen ca.3000 – 3300g wiegen sollte, nachwievor gut versorgt war und trotz der wohl offenen Blase noch Fruchtwasser vorhanden war. Also alles gut. Die anschließende Untersuchung bestätigte die offene Blase. Der Muttermund war noch verschlossen. Nach den Untersuchungen teilte sie mir den Fahrplan für die nächsten Stunden mit. 12 Stunden nach Blasensprung wird routinemäßig ein Antibiotikum gegeben, da durch die offene Blase Keime zum Kind aufsteigen können. Sollten sich spätestens 24 Stunden nach dem Blasensprung keine Wehen eingestellt haben, würde man beginnen die Geburt einzuleiten. Man würde mich nun stationär aufnehmen und gegen ca. 18.00 Uhr erneut ein CTG schreiben. Um 20.00 Uhr sollte die Antibiotika Gabe erfolgen. Sie legte mir noch einen Zugang, nahm Blut ab und dann wurden wir von der netten Hebamme auf Station begleitet. Dort Angekommen bekam ich ein Zimmer, lustiger weise war es das selbe Zimmer wie damals als ich den Großen in diesem Krankenhaus zur Welt brachte. Dem Mann fiel das auch gleich auf. Ein gutes Zeichen dachten wir uns. Inzwischen war es ungefähr 14.00 Uhr. Wir bekamen auf Station noch ein verspätetes Mittagessen und überlegten dann wie es weiter gehen soll. Meine Mutter sollte den Großen von der KITA abholen, brauchte dann jedoch auch einen Wohnungsschlüssel und den Autositz. Wir riefen sie also an und teilten ihr den aktuellen Stand mit. Sie wollte so gegen 16.00 Uhr ins Krankenhaus kommen und alles Weitere regeln. Das beruhigte mich ungemein. Dem Mann und mir blieb nichts als Warten. Auf Wehen. Mama kam dann wie versprochen und regelte mit dem Mann alles. Sie würde den Großen holen, mit ihm zu Abend essen und ihn auch ins Bett bringen. Natürlich bleibt sie auch über Nacht wenn die Wehen sich einstellen würden. Wenn nicht käme sie direkt morgen früh wieder oder auch mitten in der Nacht. Alles kein Thema. Ich war sehr dankbar und entspannte mich erstmals etwas. Ich verabschiedete mich von ihr. Sie drückte mich und meinte, beim nächsten Besuch ist das Baby da, alles wird gut. Ich muss schon wieder tränen verdrücken, wie Recht sie hat. Ohne Baby kommen wir hier nicht mehr raus. Der Mann und ich schlagen irgendwie die Zeit bis 18.00 Uhr tot und begeben uns dann Richtung Kreissaal für das CTG. Ich bin inzwischen ganz schon gefrustet, denn ich habe noch immer keine Wehen. Das weiß ich auch ohne CTG. Dort Angekommen nimmt uns wieder die liebe Hebamme von heute Vormittag in Empfang. Ich sage ihr direkt, dass ich keinerlei Wehen verspüre und dementsprechend sie mir gleich sagen kann, wie das dann morgen früh mit der Einleitung laufen würde. Sie lächelt beschwichtigend und legt mit das CTG an. Warum ich so pessimistisch wäre, es sei erst 18.00 Uhr und es gäbe ja auch noch den Abend und die Nacht. Es ist das zweite Kind, da ginge das manchmal recht schnell. Ich soll den Kopf nicht hängen lassen. Das CTG läuft also. Wir hören schöne rhythmische Herztöne unserer Tochter und sehen eine ruhige Kurve dort auf dem CTG-Papier wo sich eigentlich deutliche Hügel abzeichnen sollten. Alles unspektakulär. Langsam kann auch der Mann seine Enttäuschung nicht mehr recht verbergen. Das macht mich kurzfristig sauer. Ich zische ihn an, dass er ja hätte gehen können und sich auf Abruf hätte halten können, wenn ihm das hier zu doof ist. Und das es mir schrecklich leid täte, dass ich nicht alleine sein wollte. Er erträgt mein gemotzte klaglos und stellt klar, dass er mich natürlich nicht alleine lassen wollte und es ihm auch nicht recht passt mich jetzt hier über Nacht alleine lassen zu müssen. Das das der einzige Grund für seine Enttäuschung sei. Ich komme mir schrecklich doof vor, aber die ganze Situation zerrt an meinen Nerven. Um 18.30 werde ich vom CTG befreit und mit der Anweisung zurück auf Station entlassen, dass ich morgen früh um halb sieben wieder hier sein sollte. Dann würde man mit der Einleitung beginnen. Ansonsten natürlich jeder Zeit, wenn sich über Nacht Wehen einstellen sollten. Wir begeben uns zurück auf Station uns essen zusammen zu Abend. Um halb acht wird mir das Antibiotikum gegeben. Der Mann leistet mir solange noch Gesellschaft. Anschließend begleite ich ihn zum Klinikausgang und bitte ihn zu versuchen zu schlafen. Ich würde das selbe machen. Aber er muss ausgeruht sein, ich brauche ihn schließlich morgen. Er verspricht es. Er wollte beide Telefone mit ans Bett nehmen und ich soll ihn sofort anrufen wenn sich heute Nacht etwas tun sollte. Ein Abschiedskuss und dann ist er weg. Wieder steigen mir die Tränen in die Augen. Ich beschließe einen Umweg über den Süßigkeitenautomaten im Untergeschoss zu nehmen, bevor ich wieder mein Zimmer aufsuchen würde. Eine Henkersmalzeit sozusagen. Wieder im Zimmer stelle ich mich erstmal unter die Dusche. Es ist noch immer furchtbar heiß und ich fühle mich extrem unwohl. Das Fruchtwasser läuft immer noch, inzwischen mischt sich auch etwas Blut dazu. Das darf aber sein, hat man mir vorher mitgeteilt. Es ist ungefähr 21.00 Uhr als ich mich in mein Bett lege und versuche mit Hilfe von fernsehen, Twitter und Facebook abzulenken. Der Erfolg ist eher mäßig. Zwischendurch telefoniere ich noch mal mit dem Mann, der mir mitteilt, dass auch die Nachtbetreuung für den Großen geregelt sei. Sollte ich anrufen, würde unsere Nachbarin in der Wohnung warten bis meine Mutter käme, so dass er sofort los fahren kann. Das beruhigt mich sehr, denn so kann er im Notfall innerhalb von 10 Minuten da sein. Wir legen auf und ich versuche zu schlafen. Ich nicke immer mal wieder ein, aber an schlaf ist nicht zu denken. Ich bin viel zu aufgekratzt. Also den Fernseher wieder an, Kopfhörer auf und berieseln lassen. Vor Müdigkeit fallen mir immer wieder die Augen zu. So geht das bis ca. 23.00 Uhr. Da spüre ich zum ersten Mal einen leicht stechenden Schmerz im unteren Rücken, während mein Bauch hart wird. Die ersten Male ist es noch so leicht, dass ich den Schmerz kaum wahrnehme, es nervt mich sogar ein wenig, denn ich hatte grad die nötige Müdigkeit erreicht um endlich einzuschlafen. Ca. eine Stunde später komme ich auf die Idee vielleicht mal auf die Uhr zu sehen, ob dieser lästige Schmerz denn wenigstens regelmäßig kommt. Ich nehme mir also das Handy und beobachte. Nach knapp einer Stunde kann ich vermelden, dass es einigermaßen regelmäßig kommt ungefähr alle 10 Minuten. Ich überlege hin und her ob ich Richtung Kreissaal laufe uns es kontrollieren lasse oder ob ich einfach liegen bleibe und hoffe dass ich doch noch etwas schlaf bekomme. Ich klingel nach der Nachtschwester und frage was sie meint. Sie rät mir zum Kreissaal. Lieber einmal zu viel kontrolliert als zu wenig. Ich laufe also los und merke beim Laufen direkt, dass der Schmerz intensiver wird. Ich klingel also und melde mich an. Die Tür öffnet sich und ich blicke in ein bekanntes Gesicht. Hebamme Jutta, die Hebamme die den Großen auf die Welt gebracht hat. Ich erkenne sie sofort wieder und freue mich direkt. Ich sage ihr, dass ich sie kenne uns mir gewünscht habe, dass sie auch meine Tochter auf die Welt bringt und das mein Wunsch anscheinend erhört wurde. Sie lächelt, hört sich meine Geschichte an und beschließt ein CTG zu schreiben. Nach einer halben Stunde, dann die Ernüchterung. Wehen ja, für eine Geburt aber zu wenig zum Schlafen jedoch zu viel. Das sieht sie ein. Sie rät mir zu einer leichten Schlaftablette. So könne ich kraft sammeln und ich solle mich nicht sorgen, wenn die Wehen stärker würden, wäre ich trotz dieser Tablette sofort wach. Ich vertraue ihr, nehme die Tablette mit und laufe zurück auf Station. Die Nachtschwester wartet schon und ich teile ihr die weitere Vorgehensweise mit. Sie denkt auch, dass mir der Schlaf gut tun wird. Ich lege mich also hin schlucke die Tablette und warte auf die Wirkung. Diese setzt zügig ein und mein erschöpfter Körper bekommt endlich den Schlaf den er für die bevorstehenden Anstrengungen braucht.

Ich bin plötzlich hell wach. Mein Rücken besteht nur aus Schmerz. Ich brauche wenige Sekunden um mir bewusst zu werden, wo ich bin und was da grade mit mir geschieht. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es etwa 20 Minuten vor 3.00 Uhr ist. Die Schmerzen sind grauenvoll, irgendwie schaffe ich es mich aus dem Bett zu hieven und mich zur Zimmertür raus zu schleppen. Währenddessen überrollt mich schon die nächste Wehe, ich versuche ruhig in den Bauch zu atmen und mich nicht zu verkrampfen. Die kurze Wehenpause nutze ich um Richtung Kreissaal zu laufen, der Weg ist zum Glück nicht weit. Angekommen drücke ich die Klingel und veratme schon die nächste Wehe. Hebamme Jutta öffnet mir die Tür. Ich brauche zum Glück nicht viel zu erklären – sie beschließt erstmal nach dem Muttermund zu tasten ein CTG möchte sie wenn erst danach schreiben. Die Untersuchung ergibt, dass der Mumu 3 cm geöffnet ist. Sie meint ich solle meinen Mann anrufen, und dann spätestens um vier Uhr wieder zurück kommen. Gesagt getan. Ich laufe zurück auf Station. Zwischendurch überkommt mich wieder eine Höllenwehe, die ich noch ganz gut veratmet bekomme. Ich nehme also mein Handy, verlasse das Zimmer und begebe mich in den ersten Stock des Klinikums. Ich will raus – frische Luft- es war den ganzen Tag so unerträglich heiß, dass ich das unbändige Bedürfnis habe, ein wenig Abkühlung zu bekommen. Draußen angekommen, wähle ich die Handynummer vom Mann. Es klingelt genau einmal, ehe er dran geht. Die Unterhaltung ist kurz. Ich sage nur „Schatz, ich habe Wehen, starke Wehen, komm sofort hier her! Ich stehe draußen vor der Tür. Beeil dich!“ Er verspricht sofort zu kommen, wir legen auf. Ich stehe in der dunklen Nacht und veratme die immer stärker werdenden Wehen. Ich laufe ein wenig im Kreis und versuche die Zeit bis der Mann bei mir sein wird, so gut es geht zu überbrücken. Der Wehenschmerz ist inzwischen schon so stark, dass ich bereits leise anfange neben dem Veratmen zu Tönen. Auf einmal sehe ich schon von weitem Scheinwerfer eines Autos – es ist unseres und der Mann fährt viel zu schnell. Er rast an mir vorbei, auf der Suche nach einem Parkplatz. Ich muss ein wenig lachen. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass er ziemlich genau 10 Minuten gebraucht hat, das ist wirklich gut, wenn man bedenkt, dass die reine Fahrzeit schon etwa 7 Minuten beträgt. Ich schleppe mich ihm entgegen und stehe schließlich wehenveratmend vor ihm. Vor lauter Erleichterung, dass er da ist, fange ich erstmal an zu weinen. Wir veratmen die nächste Wehe zusammen. Anschließend machen wir uns auf den Weg zum Kreissaal. Für die eigentlich kurze Strecke brauchen wir ewig, da ich gefühlt alle 2 Minuten anhalten muss um eine Wehe zu veratmen. Endlich vor der Tür angekommen, öffnet Hebamme Jutta wieder die Tür. Es war etwa kurz vor vier Uhr.  Wir gehen direkt ohne Umweg in einen der Kreissäle. Sie steuert Kreissaal 3 an. In diesem wurde auch der Große geboren. Ich sehe das große, runde Gebärbett, die vertraute abgedunkelte Atmosphäre und fühle mich direkt wohler. Als wir vor Stunden das erste Mal in einem der Kreissäle waren, kam es mir dort im Tageslicht irgendwie nicht richtig vor. Ich bekam das kabellose CTG angelegt und Jutta ließ mich machen. Ob ich liegen möchte oder lieber stehen? Ich wolle auf keinen Fall liegen, das konnte ich bei der ersten Geburt schon nicht ertragen. Ich stellte mich also an das Kopfteil des Bettes, an das kann man sich gut dran hängen und veratmete und vertönte die Wehen. Der Mann war einfach nur da, das genügte mir. Ich wollte nicht berührt, gestreichelt oder sonstiges werden, ich wollte einfach nur seine Anwesenheit spüren.  Ich glaube es verging eine halbe Stunde, bis Jutta die nächste Mumu Untersuchung machen wollte. Ich schaffte es irgendwie in der Wehenpause aufs Kreisbett zu kommen und mich hinzulegen. Eine Wehe musste ich dann so im liegen ertragen und es war die Hölle. Ich wusste im liegen nicht wo ich hin atmen sollte, es war schrecklich. Dann endlich die Untersuchung – 7 cm eröffnet. Ich durfte wieder runter krabbeln. Die nächste Wehe kündigte sich an und ich verspürte so einen extremen Druck und das Gefühl pressen zu müssen. „Es drückt so! Ich kann nicht mehr!“ Mehr konnte ich nicht mehr sagen. Jutta verbot mir schon mit zu pressen. 3 Wehen müssen sie das aushalten, es ist noch zu früh. Ich verstand und tat was sie mir sagte. Sie zählte mir die Wehen runter, die ich dieses schreckliche Gefühl noch aushalten musste. Noch zwei – ich schrie- noch eine – ich atmete, tönte und schrie noch lauter. „Ich kann nicht mehr! Das soll aufhören!“ Ich musste mich für eine letzte Untersuchung erneut hinlegen um dann endlich das OK zu bekommen, dem unbändigen Pressdrang nachgeben zu dürfen. Die erste Presswehe kam und ich verspürte eine unendliche Erleichterung endlich mithelfen zu dürfen. Ich presste, 3x pro Wehe und spürte deutlich wie sich das Köpfchen unserer Tochter durch mein Becken schob. Irgendwann höre ich wie Jutta meinte, dass sie viele schwarze Haare sehen könnte, es war also gleich geschafft. Zwei Presswehen später, war der Druck kaum noch auszuhalten, ich hatte das Gefühl zu zerreißen.“Nicht mehr pressen, hecheln, nur hecheln!“ – ich erinnerte mich an die Geburt des Großen. Dieses Gefühl, dieser unglaubliche Schmerz. Die nächste und letzte Presswehe kam, ich schob noch einmal mit aller Kraft, schrie ein letztes Mal und dann war sie da. Ich blickte zwischen meine Beine und sah meine kleine Tochter. Ein Schrei ertönte, alles war gut. So klein und winzig lag sie da, noch mit sehr viel Käseschmiere überzogen. Der Mann schnitt die Nabelschnur durch, Jutta wickelte sie in ein Handtuch und legte sie mir auf die Brust. Sie war wunderschon, warm, ganz weich und roch so wie nur neugeborene Babys riechen. Ich küsste ihren kleinen Kopf und war sofort hin und weg. Es war 04:48 Uhr und das kleine Mädchen auf der Welt.

Die Nachgeburt kam zügig und vollständig. Kurz nach der Geburt kam eine etwas verdatterte Oberärztin zur Tür hinein. Jutta hatte sie irgendwann routinemäßig zur Geburt gerufen, sie musste jedoch erst noch in den anderen Kreissaal, da es dort wohl Komplikationen gegeben hatte. Und da es bei uns dann so schnell ging, konnte sie nur noch zum gratulieren kommen. Nähen musste sie auch nichts, dank Jutta und ihrem guten Dammschutz war alles heil geblieben. So machte sie nur schnell die U1 während das Mäuschen noch auf meiner Brust lag und verabschiedete sich auch schon wieder. Etwa eine Stunde nach der Geburt wurde die Kleine dann vermessen und gewogen. 3220g – 49 cm – 34 cm KU. Gegen den Großen ein Winzling ;-) Angezogen verbrachten wir noch eine weitere Stunde im Kreissaal bis wir dann auf Station gebracht wurden.


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